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Know-how-Transfer für nachhaltige Elektromobilität in Bolivien

  • BOSELIN

Ver­tre­ter des In­sti­tuts für post­fos­si­le Lo­gis­tik (PFL) aus Müns­ter und der Hoch­schu­le Bo­chum ha­ben dem bo­li­via­ni­schen Prä­si­den­ten Evo Mo­ra­les das For­schungs­pro­jekt BO­SE­LIN (Boli­vi­an Sus­tainable Elec­tro­mo­bi­le Indus­tri­es) vor­ge­stellt. Ziel des Ko­ope­ra­ti­ons­vor­ha­bens ist die Im­ple­men­tie­rung von Pro­duk­ti­ons­struk­tu­ren mit ei­ner ge­plan­ten Ge­samt­ka­pa­zi­tät von jähr­lich rund 200 Elek­tro­klein­trans­por­tern in Co­ch­abam­ba. Par­al­lel wird ein Aus­bil­dungs­kon­zept ent­wi­ckelt, das die Men­schen vor Ort fach­spe­zi­fisch qua­li­fi­ziert, um den zu­künf­ti­gen Fa­brik­be­trieb in Ei­gen­re­gie vor­neh­men zu kön­nen.

Das Tref­fen mit Evo Mo­ra­les fand An­fang No­vem­ber 2015 am Ran­de sei­ner Ge­sprä­che mit Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel zu Stär­kung der bi­la­te­ra­len Be­zie­hun­gen statt. Vor der Ku­lis­se des Bran­den­bur­ger To­res in­for­mier­te sich der bo­li­via­ni­sche Prä­si­dent aus­führ­lich über das vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bil­dung und For­schung (BMBF) ge­för­der­te Pro­jekt und die da­mit ver­bun­de­nen Po­ten­zia­le für die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung sei­nes Lan­des. Auch ließ er es sich nicht neh­men, das Steu­er des hier als Pro­to­typ vor­ge­stell­ten, elek­trisch an­ge­trie­be­nen Vans „BO­mo­vil” selbst in die Hand zu neh­men. „BO­mo­vil” steht für „Bo­li­vi­an-Ger­man Elec­tric Car”.

Der auf der Li­thi­um-Io­nen-Tech­no­lo­gie ba­sie­ren­de Stro­mer ist ei­ne Wei­ter­ent­wick­lung des ur­sprüng­lich für den Au­to­mo­bil­bau­er Opel in Bo­chum kon­zi­pier­ten BO­mo­bil, das im re­gio­na­len In­di­vi­du­al­ver­kehr zum Ein­satz kom­men soll­te. Er ist auf ei­ne La­de­ka­pa­zi­tät bis 500 Ki­lo­gramm und ei­ne Reich­wei­te bis 200 Ki­lo­me­ter aus­ge­legt. In der En­dum­set­zung soll das auf die lan­des­ty­pi­schen An­for­de­run­gen an­ge­pass­te Elek­tro­fahr­zeug in Bo­li­vi­en durch spe­zi­ell ge­schul­te bo­li­via­ni­sche Fach­kräf­te ei­gen­stän­dig her­ge­stellt wer­den. Da­mit ver­knüpft ist zu­dem die Chan­ce, das ho­he Li­thi­um­vor­kom­men im Lan­de für die ei­ge­ne in­dus­tri­el­le Pro­duk­ti­on zu nut­zen. Ne­ben der LiFeYPO4-Bat­te­rie sol­len auch al­le üb­ri­gen für die Mon­ta­ge be­nö­tig­ten Kom­po­nen­ten, wie et­wa Ka­ros­se­rie, Rad­auf­hän­gung, Brem­sen, In­nen­aus­stat­tung und Nie­der­vol­t­aus­rüs­tung, vor Ort her­ge­stellt wer­den, so­dass über die Se­ri­en­pro­duk­ti­on bzw. Fließ­band­fer­ti­gung hin­aus ein aut­ar­kes Be­schaf­fungs­ma­na­ge­ment mög­lich sein wird. Für Bo­li­vi­en sind die­se Tei­le zu eva­lu­ie­ren.

Vor­an­ge­trie­ben wird BO­SE­LIN durch das In­sti­tut für post­fos­si­le Lo­gis­tik (PFL) aus Müns­ter als Kon­sor­ti­al­füh­rer, der Hoch­schu­le Bo­chum und der bo­li­via­ni­schen Uni­ver­si­dad del Val­le. „Die bi­na­tio­na­len An­stren­gun­gen fo­kus­sie­ren die Im­ple­men­tie­rung ei­ner nach­hal­ti­gen Elek­tro­mo­bi­li­tät in Bo­li­vi­en und für Bo­li­vi­en”, sagt PFL-In­sti­tuts­lei­ter Alex­an­der Zar­le. „Da­mit ein­her geht die in­dus­tri­el­le Nut­zung von na­tür­li­chen Res­sour­cen und ei­ne Spe­zia­li­sie­rung mensch­li­cher Res­sour­cen, vor­nehm­lich Stu­den­ten und Aka­de­mi­ker.” Durch BO­SE­LIN sol­len so­wohl Mach­bar­keit als auch Nach­hal­tig­keit der Pro­duk­ti­on ei­nes elek­trisch an­ge­trie­be­nen Klein­trans­por­ters ga­ran­tiert wer­den. Auf der Agen­da steht fer­ner Mög­lich­kei­ten zu be­wer­ten, wie sich das zu ent­wi­ckeln­de Qua­li­fi­zie­rungs­mo­dell in die Aus­bil­dungs­pro­gram­me der Uni­ver­si­dad del Val­le in­te­grie­ren lässt. Vor­be­halt­lich der Zu­stim­mung der bo­li­via­ni­schen Re­gie­rung zum Fi­nan­zie­rungs­plan könn­ten 2018/2019 ers­te „BO­mo­vi­le” in Co­ch­am­ba vom Band rol­len.

Evo Morales vor dem BOmobil am Brandenburger Tor
Evo Morales im BOmobil am Brandenburger Tor
Das BOmobil vor Brandenburger Tor in Berlin